Interview mit Ian Rankin

von Harlan Coben

© Bildschön/Martin Stickler

»In den letzten 20 Jahren hat Ian Rankins Inspector Rebus Verbrecher verblüfft und Leser in seinen Bann gezogen – und ganz nebenbei Ian Rankin als einen der besten Krimischriftsteller weltweit etabliert. Ich habe mich mit ihm getroffen, um herauszufinden, wie ihn zwei Jahrzehnte mit Edinburghs Top-Ermittler verändert haben.«

Harlan Coben

Als Erstes muss ich sagen, wie geehrt ich mich als Kollege, Freund und Bewunderer fühle, dieses Interview mit dir führen zu dürfen. Legen wir los! Dein letztes Buch, „Im Namen der Toten“, ist fantastisch – vielleicht sogar dein bestes überhaupt. Und der perfekte Start für alle, die noch nie einen Rebus-Roman gelesen haben.

Danke! Für jemanden, der Rebus noch nicht kennt, ist „Im Namen der Toten“ sicher nicht der schlechteste Einstieg in die Serie. Ich denke, dass der Roman wunderbar funktioniert, auch ohne dass man die früheren gelesen hat, weil er kaum Bezüge zu ihnen enthält. Natürlich gibt es zwischen ein paar Figuren Beziehungen, die in vorangegangenen Romanen entstanden sind. Aber die werden die Leser schnell durchschauen.

Hast du selbst Lieblingsbücher in deiner Serie? Wirst du mit jedem Buch besser?

Ich würde sagen, „Im Namen der Toten“, gehört definitiv zu meinen Favoriten. Vor ein paar Jahren habe ich die ganze Serie in chronologischer Reihenfolge noch einmal gelesen und war überrascht, dass ich plötzlich ganz andere Lieblingsbücher hatte als früher. „Ein eisiger Tod“ gefiel mir plötzlich besser, als ich erwartet hatte, und „Das zweite Zeichen“ fand ich auch ziemlich gut. Aber „Die Seelen der Toten“, was mir beim Schreiben so gut gefallen hatte, war mir zu verwirrend – es gab Momente, da konnte ich mir selbst nicht mehr folgen. „Das Souvenir des Mörders“ hat immer noch einen Spitzenplatz. Es war der erste Rebus-Roman, bei dem ich das Gefühl hatte, Figuren und Genre wirklich komplett im Griff zu haben. Werde ich immer noch besser? Ich hoffe es – es hätte wenig Sinn, weiterzuschreiben, wenn ich schlechter würde.

Wenn du einen neuen Roman anfängst, was hast du zuerst: die Handlung oder die Figuren? Mich interessiert diese Initialzündung, die Keimzelle, aus der ein Buch entsteht. Woher kommt die bei dir?

Normalerweise habe ich als Erstes das Thema. Irgendetwas interessiert mich, oder ich habe eine Frage, die mich nicht loslässt. Diese Frage versuche ich dann zu beantworten, indem ich einen Roman um sie herum komponiere. Und das bedeutet dann, dass ich eine Handlung brauche, um das Ganze zu transportieren. Die Figuren kommen später dazu. Ich stolpere einfach irgendwann über die Charaktere, die ich brauche, um die Geschichte zu erzählen und mein Thema zu beleuchten.

Wie fühlst du dich so angesichts des 20. Geburtstags von Rebus? Ich frage nur, weil du einer der nettesten Kerle bist, mit denen ich mich regelmäßig treffe. Aber langsam frage ich mich, ob du nicht zu alt bist, um noch cool zu sein. Kannst du mir die Sorge irgendwie nehmen?

Ich habe mit dem Schreiben angefangen, als ich vielleicht noch zu jung war. Das hat dazu geführt, dass ich mit etwa Mitte vierzig schon als „der große alte Mann des Kriminalromans“ galt. Meinen ersten Roman habe ich mit Anfang zwanzig geschrieben und den ersten Rebus-Krimi mit 24 oder 25. Ich hatte damals eigentlich wenig Ahnung von einem 40jährigen Detective, der schon 15 Dienstjahre auf dem Buckel und viele Illusionen verloren hat und seine Möglichkeiten, eine bessere Welt zu schaffen, eher zynisch sah. Ich glaube im Übrigen nicht, dass ich je wirklich cool war – du solltest alte Fotos aus meiner Punk-Phase sehen: schwarze Satinhosen – weil ich mir welche aus Leder nicht leisten konnte – und ein Oberteil, das meine Tante gestrickt hatte.

Danke, Ian, lass mal stecken.

Von den Topf-Frisuren will ich gar nicht erst anfangen.

Na ja, ich hatte einen Afro für Weiße, du musst dich also nicht schlecht fühlen.

Genau. Zwei Jahrzehnte mit einer einzigen Figur sind natürlich trotzdem eine lange Zeit. Aber man muss auch sagen, dass Rebus gut zu mir war – und wahrscheinlich auch gut für mich. Ich kann ihn als Punchingball benutzen oder ihn bestimmte Sachen sagen oder tun lassen und mich dabei hinter ihm verstecken. Aber er ist ein größerer Macho als ich jemals sein werde.

Ich hätte gerne eine Vorstellung von deiner Arbeitsroutine. Schreibst du eher morgens oder abends? Wie viele Stunden? Zählst du Wörter oder Seiten? Läuft dabei Musik, oder brauchst du absolute Ruhe? Ich will alle Details!

Ich schreibe fast nur zu Hause und am liebsten in meinem Büro, wo ich direkt alles in den Laptop tippe. Mein Tag fängt in der Regel mit einem Frühstück und der Zeitung an, sobald die Kinder in der Schule sind. Wenn ich an einem Roman arbeite, gehe ich danach hoch in mein Büro. Das wäre so gegen 10.30 Uhr. Dann schreibe ich bis Mittag, esse eine Kleinigkeit und arbeite weiter, bis die Kinder aus der Schule kommen. Also bis ungefähr 15.30 Uhr. Dann setze ich mich vielleicht gegen 21.30 Uhr noch einmal an den Schreibtisch, wenn die Jungs im Bett sind, und arbeite bis Mitternacht weiter. Ist das jetzt ein Siebenstundentag? Das Schöne ist, es gibt keinen Zwang. Wenn ich einen Kater habe …

Du und einen Kater? Kann ich mir gar nicht denken.

Ich weiß, aber wir sind ja beide Experten für Fiktion, also glaub mir einfach mal. Wenn ich also einen Kater habe oder es mit dem Schreiben gerade nicht so gut läuft, kann ich jederzeit den Schreibtisch verlassen, in die Stadt fahren und mir ein paar Platten kaufen. Ich beschwindle dann nur mich selbst. Ich habe auch festgestellt, dass ich ein Buch schneller schreibe, je intensiver und länger die Vorbereitungszeit war. „Im Namen der Toten“ hatte eine Planungsphase von sechs Monaten, aber geschrieben habe ich es in vier. Das Schreiben geht bei mir relativ schnell. Dabei höre ich fast immer Instrumental Musik – Electronic Music erzeugt für mich die richtige Stimmung.

Was hast du gerade auf deinem iPod?

Unkle Bob (eine Band aus Glasgow, ein Touch Radiohead, ein Touch Elbow), „I’m in Love with a German Filmstar“ von The Passions, „Nantucket Sleighride“ von Mountain, ein bisschen Pete Hammill, das Neueste von Barry Adamson (er schreibt Musik für Filme, die wirklich mal jemand drehen sollte), „Connection“ von Montrose und ein Album von John Hiatt („Crossing Muddy Waters“), das mir ein Freund zur Aufmunterung geschickt hat.

Es gibt ja diesen Hemingway-Spruch, dass eine unglückliche Kindheit die beste Basis für eine Karriere als Schriftsteller ist. Gibt es ein Ereignis, am besten aus deiner Kindheit oder Jugend, das sich in deinem Werk widerspiegelt? Anders gefragt: Wie kommt es, dass du schreibst, was du schreibst?

Ich hatte eine glückliche und unkomplizierte Kindheit. Keine finsteren Gestalten, eine nette Nachbarschaft etc. Aber ich habe mich immer als Außenseiter gefühlt. Ich bin in einem kleinen Bergarbeiterort aufgewachsen, aber ich war ein echter Bücherwurm und habe Geschichten geliebt, obwohl es bei uns zu Hause kaum Bücher gab. Meine Eltern haben höchstens einmal im Urlaub eines gelesen. Aber ich saß still in meinem Zimmer, habe Gedichte und Songtexte geschrieben und diese Seite an mir vor meiner ganzen Umgebung versteckt. Es ist mir ganz gut gelungen, so zu tun, als würde ich dazugehören. Ich war mit den harten Jungs unterwegs und das alles. Ich hatte also schon immer etwas Chamäleonartiges. Außerdem war ich ein echter Film-Fan und war ganz begeistert, dass man mich in der Bibliothek zu meiner Überraschung Filme für „Erwachsene“ ausleihen ließ, obwohl ich sie im Kino noch gar nicht sehen durfte. Zum Beispiel „Der Pate“.

Eines meiner Lieblingszitate stammt von E.L. Doctorow: „Schreiben ist wie eine Fahrt durch den Nebel. Man sieht nicht weiter als der Scheinwerfer reicht, aber man kann so die ganze Strecke zurücklegen.“ Würdest du dem zustimmen? Kennst du zum Beispiel das Ende eines Romans, bevor du zu schreiben anfängst?

Schönes Zitat. Und es beschreibt meine Arbeitsmethode ganz gut. Auch wenn ich jede Menge recherchiert und einen fertigen Entwurf für ein Buch habe, entrollt sich die Geschichte erst nach und nach vor meinen Augen. Ich folge dann ihren verschlungenen Wegen, treffe Figuren, die plötzlich für die Handlung eine ganz entscheidende Rolle spielen, weiß aber nie, wo alles enden wird. Ich fange gern mit drei, vier verschiedenen Handlungssträngen an, ohne zu wissen, wie sie sich verknüpfen lassen. Aber irgendwie kommen diese Verbindungen immer zustande, und es ist jedes Mal ein unglaubliches Glücksgefühl, wenn das passiert.

Gibst es einen guten Ratschlag, den du selbst als Anfänger gern bekommen hättest?

Ich glaube, da fragst du den Falschen. Meine Karriere verlief so zufällig, dass ich niemandem groß mit Ratschlägen dienen kann. Ich habe es erst über Umwege geschafft, mit einer langen Latte von Ablehnungen und vielen enttäuschten Hoffnungen. Ich sage jungen Autoren immer, dass sie an sich selbst glauben sollen, damit sie Rückschläge besser verkraften. Ich sage Ihnen, sie sollen von der Geschichte, die sie erzählen wollen, absolut überzeugt sein. Und ich sage ihnen, dass sie Glück haben sollen.

Und jetzt eine Frage, die man uns dauernd stellt. Aber ich stelle sie dir trotzdem noch einmal: Warum schreibst du ausgerechnet Krimis?

Warum Krimis? Darauf gibt es verschiedene Antworten. Ich wollte als literarischer Autor anerkannt werden, aber nicht von staatlichen Almosen abhängig sein (sprich von der Unterstützung des Scottish Arts Council). Ich weiß nicht, ob ich diesen Hang zur Unabhängigkeit meiner Erziehung verdanke, oder wo er genau herkommt. Jedenfalls hatte der als Literat anerkannte schottische Schriftsteller William McIlvanney gerade einen Krimi mit dem Titel „Laidlaw“ veröffentlicht. Ich hatte bis dahin mit Ausnahme von „Der Pate“ und ein paar „Shaft“-Romanen nicht viele Krimis gelesen, und das Genre trug für mich kein Stigma. Außerdem stand es meines Erachtens in der Tradition schottischer Schauerromane wie „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ oder „Bekenntnisse eines gerechtfertigten Sünders“. Ich war damals Doktorand an der Uni von Edinburgh und schrieb an einer Dissertation über die Werke von Muriel Spark. Ihr Roman „Die Blütezeit der Miss Jean Brodie“ hatte ebenfalls Anklänge an die schottische Gothic-Literatur und verwendete beispielsweise das Doppelgänger-Motiv. Ich schrieb also „Verborgene Muster“, was nicht als erster Roman einer Serie konzipiert war, sondern als unabhängiges Werk mit Rebus als Jekyll-Figur, die von ihrer Hyde-Variante heimgesucht wird. Erst als das Buch schon veröffentlicht war und mich die Crime Writers Association gefragt hat, ob ich nicht Mitglied werden wollte, habe ich begriffen, dass ich zu einem Club gehörte. Ich fing dann an, jede Menge Krimis zu lesen, und mir gefielen die Zeitbezüge, die konkreten Schauplätze, das Tempo. Es hat vielleicht auch geholfen, dass ich schon früh Ruth Rendell, James Ellroy und Derek Raymond gelesen habe …

Welche Autoren, würdest du sagen, haben dich beeinflusst? Und welche Einflüsse gab es außerhalb der Literatur? Was ist zum Beispiel mit „Mit Schirm, Charme und Melone“? Ich weiß, dass du als Kind ja nicht nur gelesen hast.

Zu den literarischen Einflüssen würde ich auf jeden Fall „Clockwork Orange“ zählen. Der Roman hat mich auch dazu inspiriert, über meinen Heimatort zu schreiben. Außerdem Bücher wie „Jekyll und Hyde“ und „Miss Jean Brodie“. Und ich habe als Kind die Krimiserien im Fernsehen geliebt. Ich habe mir alles angesehen, von „Z-Cars“ bis zu „The Sweeney“. Dieser Großstadtrealismus war genau mein Ding.

Die meisten Schriftsteller würden nie zugeben, dass in ihren Hauptfiguren auch etwas von ihnen selbst steckt. Aber wir sind hier ja unter uns: Wie viel Rankin steckt in Rebus? Wart ihr euch zu Anfang ähnlicher und habt euch langsam auseinanderentwickelt, oder war es genau umgekehrt?

Es muss wohl Überschneidungen geben, obwohl ich mich Rebus eher fremd fühle. Vielleicht ähnle ich eher seinem weiblichen Sidekick, Siobhan Clarke, so wie Conan Doyle eher Dr. Watson war als Sherlock Holmes. Manchmal frage ich mich, ob ich Siobhan keinen festen Freund verpasst habe, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie ICH mit einem Mann ins Bett gehe. Natürlich habe ich ein paar Dinge mit Rebus gemeinsam: den Musikgeschmack, meine Lieblingsbar, und wir mögen dasselbe Bier und dieselben Whiskysorten. Aber er hat schon einen anderen Kopf als ich und sieht die Welt mit anderen Augen. Sein Job hat ihn viel zynischer gemacht, als ich es bin.

Vergiss einmal für einen Moment Rebus – wie viel Bösewicht steckt in Ian Rankin?

Gute Frage – manchmal denke ich, dass ich Rebus’ Nemesis Jack Cafferty vielleicht ähnlicher bin als meiner eigentlichen Hauptfigur. Aber im Allgemeinen sympathisiere ich nicht mit den Bösen in meinen Romanen. Ich bin immer auf der Seite der Guten, auch wenn sie eher gefallene Engel sind wie Rebus. Im wahren Leben bin ich kein besonderer Bösewicht. Ich habe schon ein paar finstere Gedanken, aber die überführe ich in der Regel in meine Bücher, statt dem Arschloch, das mich an der Ampel geschnitten hat, die Kehle aufzuschlitzen.

Der gute Rebus – die meisten Leute würden wohl annehmen, dass es dir heute leichter fällt, über ihn zu schreiben, als zu Anfang. Aber ich bin mir da nicht so sicher. Ist es heute vielleicht sogar schwerer, einen Rebus-Roman zu schreiben? Oder trifft doch das Gegenteil zu? Was sind die neuen Herausforderungen?

Es wird immer schwieriger, über Rebus zu schreiben, schon weil jeder neue Roman besser sein muss als der vorige. Zumindest sehe ich das so. Und weil ich mir immer überlegen muss, ob ich noch etwas Neues über ihn zu erzählen habe. Wenn man gerade ein Buch wie „Im Namen der Toten“ veröffentlicht hat, fragt man sich auch unwillkürlich, wie man das noch übertreffen soll. Und nach dem Hochgefühl, wenn ein Roman abgeschlossen ist, nach den Lesereisen, den Rezensionen und der Fanpost muss man sich hinsetzen und wieder ganz von vorne anfangen. Aber wenn ich erst einmal an einem neuen Roman arbeite, fällt das alles von mir ab und ich verliere mich völlig in der Geschichte. Es ist mir dann auch egal, ob sie anderen auch gefällt, Hauptsache ich halte mich gern in meiner fiktionalen Welt auf. Deswegen finden es Autoren wohl auch so schwer, sich zur Ruhe zu setzen: Das Schreiben versetzt einen in Hochstimmung, es gibt dir einen permanenten Kick.

Lange hast du ja echte Verbrechen in deinen Romanen aufgegriffen. „Mit im Namen der Toten“ betrittst du aber zum ersten Mal ganz offensiv den Bereich realer Ereignisse, samt ihrer politischen Dimension. Ich spreche natürlich vom G8-Gipfel in Schottland 2005. Willst du uns damit etwas Bestimmtes sagen? Oder ging es dir einfach darum, in Sachen Realismus den Einsatz zu erhöhen?

Der Gipfel war ein Geschenk des Himmels! Was für ein großartiger Hintergrund für einen Roman! In dieser Woche passierte so viel Unglaubliches, ich musste einfach etwas aus diesem Stoff machen. Außerdem hat mich zu der Zeit die Frage beschäftigt, was der Einzelne in der Gesellschaft bewegen kann – oder eben nicht. Das gab mir den perfekten Vorwand, dieses Ereignis literarisch auszuschlachten. Der Gipfel war also in doppelter Hinsicht ein Glücksfall. Leider findet er nicht jedes Jahr hier statt, sodass ich im nächsten Buch wieder zum Alltag zurückkehren muss. Ich höre schon deine Frage: Und worum geht es im nächsten Roman? Dem letzten, bevor Rebus aus dem Dienst ausscheidet, und der in seiner letzten Arbeitswoche spielt? Vielleicht wird das mein „Casino Royale“ – ein Gegenstück zum bombastischen „Im Namen der Toten“.

Du bist ein Meister der Balance. Du verbindest in deinen Romanen immer eine großartig erzählte Geschichte, faszinierende Figuren, eine authentische Atmosphäre, und du willst uns zum Nachdenken bringen. Wie schwer ist es, das alles unter einen Hut zu bekommen und allen Aspekten gerecht zu werden? Und was ist dir wichtiger: zu unterhalten oder zu belehren?

unterhält.

Und jetzt ans Eingemachte: Ich genieße meinen Status als Bestsellerautor. Und du auch, das weiß ich. Aber gibt es auch Nachteile? Oder was gefällt dir daran am besten?

Das Schlimmste daran, Bestsellerautor zu sein, ist … Na ja, man befindet sich auf einem Plateau, und von da kann es nur abwärtsgehen. Ich hoffe nur, dass der Abstieg sanft ist. Das Schönste ist natürlich die Selbstbestätigung – zu wissen, dass man mit der Einschätzung seiner Fähigkeiten Recht hatte. Und dass man endlich all die Autoren trifft, deren Fan man war oder ist. Und ihnen außerdem als Ihresgleichen zu begegnen, nicht als der pickelige, nervöse Student, der man einmal war.

Dieses Interview lesen jetzt vielleicht zwei oder drei Leute, die Rebus noch nicht kennen. Ich gestehe, dass ich sie beneide, weil sie ihn noch ganz neu entdecken können. Warum wird Rebus so einen tiefen Eindruck bei ihnen hinterlassen?

Rebus ist realistischerweise Pessimist, aber er ist eine Kraft für das Gute, auch wenn er das selbst nicht immer erkennt. Er arbeitet zufälligerweise in einer der schönsten und kulturell interessantesten Städte der Welt, und wer Edinburgh nicht kennt, der kann die Romane zumindest als eine Art Stadtführer lesen. Die Geschichten sind aber auch nicht schlecht – auch wenn ich mich damit jetzt selbst lobe.

Interview erschienen in Waterstone’s Books Quarterly 24/2007

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