Von: Annette Traks
Datum: 2. Februar 2026
Der Edinburgher Inspector John Rebus ist mittlerweile pensioniert … und sitzt nun schon seit 6 Monaten selbst im Gefängnis – wegen Mordversuchs verurteilt zu lebenslanger Haft. Er fühlt sich nicht nur durch die Mauern, sondern auch durch den stereotypen Tagesablauf und die immer gleichen Gesichter um sich herum eingeengt. Zudem muss er immer mit dem Risiko leben, von Mitgefangenen, die er einst hinter Gitter gebracht hat, erkannt zu werden. Sie warten seiner Meinung nach nur darauf, sich rächen zu können. Doch bis jetzt hat er nicht festgestellt, dass ihm jemand feindlich gesonnen ist.
Da wird eines Nachts „in der dunkelsten Stunde“ (siehe Titel), nämlich um Mitternacht, einem Häftling in dessen Zelle die Kehle durchgeschnitten, sein Zellengenosse hat von dem Vorfall nichts mitbekommen - er war „total breit“.
Rebus' alter Jagdinstinkt ist wieder geweckt. Er beginnt auf eigene Faust zu recherchieren, muss jedoch verdammt vorsichtig vorgehen, um dem Täter nicht zu nahe zu kommen und selbst das nächste Opfer zu werden. Ein extrem schwieriges Unterfangen, kann es sich bei dem Mörder doch nur um einen Mitgefangenen oder Gefängnis-Mitarbeiter handeln, also um jemanden aus seinem engsten Umkreis.
Resümee:
Dieser 25. war mein erster Band der Inspector-Rebus-Reihe.
Kein Wunder also, dass ich mich ziemlich schwer getan habe, die zahlreichen Personen samt ihren Funktionen zu unterscheiden und ihre – zum Teil über Jahre gewachsenen – Beziehungen zu verstehen. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich das „Who is Who“ halbwegs durchblickt habe. Aber das kann man nicht unbedingt dem Autor anlasten, wenngleich ein Glossar sehr hilfreich gewesen wäre.
Interessant finde ich den Ort der Haupthandlung: den Mikrokosmos eines Gefängnisses. Die Atmosphäre hat der Autor, so weit ich es beurteilen kann, recht authentisch eingefangen:
düster, bedrohlich, klaustrophobisch, mit eigenen Regeln, Machtstrukturen und Kommunikationsformen, immer von latenter Gewalt geprägt.
John Rebus, mittlerweile pensioniert, ist auch hier ein gewiefter Ermittler, der im Laufe seiner Recherchen zum Tod eines Mithäftlings gelegentlich zwischen die Fronten rivalisierender Gruppen gerät. Korrupte Wärter lassen sich nicht in die Karten blicken, und alte Animositäten von außen machen ihm das (Über-) Leben zusätzlich schwer.
Rebus' ehemalige Kollegin und Vertraute Siobhan Clarke jedoch hält nach wie vor unverbrüchlich zu ihm. Sie ermittelt in einer Parallelhandlung im Fall einer vermissten Teenagerin. Nach und nach wird deutlich, dass es eine Verbindung zum Mord an dem Häftling gibt.
Im Prinzip ist die Handlung – auch durch den speziellen Ort und seine Menschen – recht spannend, gelegentlich zieht sie sich jedoch ein wenig
zäh in die Länge. Das mag dem begrenzten Aktionsraum in einem Gefängnis geschuldet sein, könnte aber durch mehr Tempo bei den Außen-Ermittlungen wettgemacht werden.
Fazit: ein atmosphärisch dichter Roman, stellenweise eine Orts- und
Charakterstudie, die dem neu einsteigenden Leser aber einiges an Konzentration abverlangt.