Das zweite Zeichen - Inspector Rebus 2

Originaltitel: Hide and Seek

In einem heruntergekommenen Haus in Edinburgh wird ein Junkie tot aufgefunden – allerdings unter höchst seltsamen Umständen: Der junge Mann wurde aufgebahrt wie zu einer Kreuzigung, neben ihm eine brennende Kerze und an der Wand ein blutrotes Pentagramm. Eine heiße Spur führt Detective Inspector John Rebus in die Welt der gelangweilten Edinburgher High Society, und der mysteriöse Mordfall wird zu einer Reise in die Abgründe der menschlichen Seele …

Vorwort zu
„Hide and Seek (Das zweite Zeichen)“

Ein, zwei Jahre nach Erscheinen von Hide and Seek wurde in die Zentrale der Polizei von Edinburgh eingebrochen. Zu den Dingen, die angeblich gestohlen wurden, gehörte auch eine Liste von Namen – Namen von Männern aus der Edinburgher Hautevolee. Gegen sie waren allerlei Vorwürfe erhoben worden, unter anderem hieß es, sie hätten die Dienste von Strichjungen in Anspruch genommen und sich damit erpressbar gemacht. Die Polizei leitete sofort eine Untersuchung ein. Es bestanden so viele Parallelen zwischen dem realen Fall und einzelnen Aspekten meines Buches, dass mich immer wieder Leute fragten, wie ich so früh schon so viel hatte wissen können. Und dann erklärte ich jedes Mal, ich dürfe meine Quellen nicht preisgeben.

Natürlich gab es keine Quellen: Ich hatte mir die Geschichte ausgedacht.

Ich betrachtete Hide and Seek eindeutig als Pendant zu Knots and Crosses (Verborgene Muster). Den Rezensenten war seinerzeit nicht aufgefallen, dass ich für Letzteres Robert Louis Stevensons Dr. Jekyll und Mr. Hyde als Folie verwendet hatte. Nun wollte ich ein zweites Mal versuchen, Stevensons Geschichte in ihre eigentliche Heimat Edinburgh zurückzuholen und in heutige Verhältnisse zu übertragen. Tatsächlich trug der Roman den Arbeitstitel „Hyde and Seek“, aber erst, nachdem ich mich auf Anraten meiner Agentin, der ich das Buch schließlich auch widmete, von dem Titel „Dead Beat“ verabschiedet hatte. Die endgültige Version von Hide and Seek beginnt mit einem Zitat aus Jekyll und Hyde, und auch die einzelnen Teile des Romans werden mit Zitaten aus Stevensons Werk eingeleitet. Außerdem tragen viele meiner Figuren Namen, die direkt aus Stevensons Meisterwerk stammen – Enfield, Poole, Carew, Lanyon. Jekyll und Hyde ist obendrein jenes Buch, das Rebus nachts liest, wenn er nicht gerade über seinem jüngsten Fall brütet. Nicht dass jetzt jemand meint, ich hätte meine Leser mit der Holzhammermethode auf den Zusammenhang aufmerksam machen wollen ...

Zwischen Knots and Crosses und Hide and Seek habe ich Rebus vom Detective Sergeant zum Detective Inspector befördert – seine bislang einzige Beförderung in der ganzen Serie. Auch sonst hat sich einiges geändert. Rebus hat einen neuen Mitarbeiter namens Brian Holmes – eine kleine Verbeugung vor einem weiteren Edinburgher Autor, Sir Arthur Conan Doyle. Und auch Edinburgh selbst hatte sich gewandelt. Das Buch entstand in den Jahren 1988/1989, dem Höhepunkt des Thatcherismus. Rote Hosenträger und Moët et Chandon waren wahnsinnig angesagt. In manchen Bars schien es kein anderes Gesprächsthema zu geben als die steigenden Grundstückspreise. Ich lebte seit ein paar Jahren in London und hatte mich in der Zeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Meine Frau und ich wohnten in einem kleinen Apartment in Tottenham, und da sich die Schriftstellerei als wenig einträglich erwiesen hatte, arbeitete ich zusätzlich als Journalist für eine Zeitschrift im Stadtzentrum und musste jeden Tag drei Stunden pendeln. Ich schien von Leuten umgeben, die alle mehr Erfolg hatten als ich, Angestellte mit fetten Gehältern oder Schriftsteller mit fünfstelligen Garantiehonoraren. Aus heutiger Sicht erklärt meine damalige Situation wohl den oft bitteren Ton von Hide and Seek. Und sie spiegelt sich auch in Brian Holmes’ Erinnerungen an jene Monate, die er als Student in London verbrachte: „Eine Zeit in der Hölle“, wie er es formuliert.

Der Roman kam nicht unmittelbar nach Knots and Crosses; dazwischen hatte ich zwei andere Bücher geschrieben: das eine, Watchman (Der diskrete Mr. Flint), war ein Spionage-Thriller; mit dem anderen, Westwind, hatte ich versucht, einen Technik-Thriller zu schreiben. Letzterer war allerdings bis dahin nicht veröffentlicht worden, während von Watchman gerade einmal 500 Hardcover-Exemplare verkauft worden waren.

Die Arbeit an Hide and Seek hatte ich schon im Sommer 1988 begonnen, aber sie kam zunächst nur schleppend voran. Vieles hielt mich auf: mein Job, meine Bemühungen, aus meinem ersten Roman, „The Flood“, ein brauchbares Drehbuch zu machen, und mehrere erfolglose Versuche, bei der populären TV-Krimiserie The Bill als Drehbuchautor unterzukommen. Außerdem schrieb ich regelmäßig Rezensionen für eine neue Wochenzeitung namens Scotland on Sunday.

Ein weiterer Grund, warum ich mir mit einem zweiten Rebus-Roman Zeit gelassen haben könnte: Es hatte Überlegungen gegeben, den ersten mit Leslie Grantham, dem Darsteller von Dirty Den in der Seifenoper EastEnders, als Rebus zu verfilmen. Dieser Plan wurde im Januar 1989 endgültig aufgegeben. Ich hatte angenommen, dass für Grantham nur London als Schauplatz für Knots and Crosses in Frage käme. Jetzt, da Rebus doch nicht auf die Leinwand kam, konnte ich ihn auch seinen zweiten Fall in Edinburgh lösen lassen. Die endgültige Fassung des Romans war im Mai abgeschlossen.

Der Text ist nicht so verkünstelt wie sein Vorgänger, und die Sprache ist straffer. Aber Rebus unterscheidet sich noch etwas von der Figur der späteren Romane. Er ist noch immer zu intellektuell und zitiert beispielsweise Walt Whitman, den ich zwar auf der Uni gelesen hatte, den ein Mann mit Rebus’ Herkunft und Beruf aber eigentlich nicht kennen konnte. Er zitiert auch Dichter der Romantik und hört im Auto Radio Three. Auf seiner Anlage zu Hause läuft Jazz, aber auch das „Weiße Album“ der Beatles (schon bald würde ich ihn eher für die Stones begeistern). Und meine eigene Zeit als Hi-Fi-Journalist schlägt sich in dem kostspieligen Linn-Plattenspieler nieder, den eine der Nebenfiguren besitzt. Dass Holmes in einer Szene den fünften Stock der Uni-Bibliothek aufsucht, hat wiederum damit zu tun, dass ich während meiner drei Jahre als Doktorand viel Zeit dort verbracht hatte.

Im Buch finden sich auch weitere mehr oder weniger literarische Anspielungen: beispielsweise auf James Hoggs Bekenntnisse eines gerechtfertigten Sünders und auf den Dichter George MacBeth, den ich ein paar Jahre zuvor bei einem Schriftsteller-Retreat kennen gelernt hatte. Eine Gestalt aus The Flood hat auf den ersten paar Seiten einen Gastauftritt, und Rebus besucht mit Holmes eine Gegend von Fife, in der sowohl der Inspector als auch ich geboren wurden. Besonders fällt mir auf, dass Rebus nicht mehr so zynisch über seine einstigen Jagdgründe redet wie noch in Knots and Crosses. Vielleicht hatte ich inzwischen genügend Ressentiments aus meiner Jugend abgebaut. Jetzt war London der Feind; London, und der krasse Materialismus, der mir dort begegnet war.

Außerdem hatte ich auch viele glückliche Erinnerungen an meine Kindheit, Erinnerungen, die durch den Tod meines Vaters im Februar 1990 wieder geweckt worden waren, als ich mitten in den Fahnenkorrekturen zu Hide and Seek steckte. Als das Buch vor der Auslieferung stand, hatten Miranda und ich endgültig genug von London und Mrs. Thatcher. Wir spielten mit dem Gedanken, nach Frankreich zu ziehen, und hofften, dass meine Arbeit als Autor endlich genug Geld einbringen würde, damit wir uns diesen Traum erfüllen konnten. Läge Tottenham erst hinter uns, könnte ich aus der Distanz etwas von meinen Ansichten zu London in einen neuen Roman einfließen lassen. Vorausgesetzt, ich würde Rebus in der englischen Hauptstadt ermitteln lassen.

Und in Tooth and Nail (Wolfsmale) tat ich genau das.

Noch ein abschließendes Wort für Insider: Am Ende von Hide and Seek bleibt so etwas wie eine Frage im Raum. Neugierige werden am Ende des vierten Kapitels von Resurrection Men (Die Tore der Finsternis) so etwas wie eine Antwort finden. Das ist mir erst bewusst geworden, als ich das Buch vor kurzem noch einmal gelesen habe. Da soll noch einer sagen, ich würde nie etwas verraten ...

Ian Rankin
Deutsch von Giovanni und Ditte Bandini

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  • Tolle Fortsetzung der Krimireihe

    Von: Weltenwandler Datum: 9. März 2019

    Auch der zweite Band dieser Reihe überzeugte. Ian Rankin bleibt sich treu.
    Ein klassicher Krimi, welcher mich vom Beginn an fesselte. Geschickt führte mich der Autor auf verschiedene Fährten, wodurch die Handlung nie vorhersehbar war. Das erzeugt Spannung wie ich sie erwarte. Vom herunter gekommenen Junkie bis zu den elitären Kreisen in Edinburgh, hat Ian Rankin alle Gesellschaftsschichten mit in dieser Geschichte verarbeitet und macht den Leser damit deutlich, das Edinburgh nicht nur die Royal Mile ist. Mit seiner sehr deutlichen, plastischen, Sprache gelingt es ihm, dem Leser die Orte der Handlung vor Augen zu führen.

    Das Privatleben von Inspector Rebus ist wohl dosiert im Verhältnis zum eigentlichen Fall. Sehr angenehm ist auch, das Rebus nicht der „perfekte“ Mensch ist dem alles gelingt, sondern auch Fehler macht, Rankin läßt es zu und es ist für mich zu hoffen, das der Inspector auch in weiteren Bänden der Reihe so menschlich bleibt.

    Sehr gefallen hat mir die Auflösung des Falles, wenn auch...... ( mehr kann ich zum Ende nicht schreiben, da ich zur Erklärung spoilern müsste, und das wollen wir ja nicht ).

    Ingesamt ein weiteres Lesevergnügen, welches ich jedem empfehlen möchte.

    Auch hier fällt es mir leicht 5 Sterne zu geben, da ich nicht wüsste was ich negativ kritisieren sollte.

    LG Euer Weltenwandler

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  • Im Namen des Glaubens....

    Von: tinaliestvor Datum: 31. Mai 2016

    Ein gekreuzigter Drogentoter fällt in der Statistik kaum auf, aber Inspector Rebus sieht das anders und ermittelt. Doch es kommt wie es kommen muss und die Ermittlungen verlaufen im Sande, aber Rebus gibt nicht auf, denn er vermutet dahinter eine Sekte die noch weitere Opfer fordern wird....

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